Fast Fitness Trend
Allgemein,  Fitness,  Lifestyle

Fast Fitness? Warum dich dieser Trend nicht weiter bringt

Fast Food, Fast Fashion und jetzt auch Fast Fitness… wir konsumieren immer mehr und immer schneller. Es war nur eine Frage der Zeit, bis dieser Trend auch die Fitnessbranche erreicht und dank Anbietern wie Class Pass, Urban Sports, Gym Pass ist es leichter denn je mit maximaler Abwechslung und Unverbindlichkeit zu trainieren. Aber für welchen Preis? Bevor du auf diesen rasenden ICE aufspringst, solltest du dir der Konsequenzen bewusst sein. Hier fasse ich für dich die Vor-, und Nachteile zusammen.

Es sind nicht unsere Fähigkeiten, die zeigen wer wir sind, sondern unsere Entscheidungen.

A. Dumbledore

Fast Fitness – was ist damit gemeint?

Fast Fitness ist ein Fitness Lifestyle, eine neue Art zu trainieren. Genau wie bei Fast Food oder Fast Fashion geht es darum, in kürzester Zeit möglichst viel zu konsumieren, ohne Gedanken an die Zukunft oder die Folgen. Wer sich schnell am Bahnhof ein Burger Menü reinzieht, dem sind die Folgen für die eigene Gesundheit völlig egal. Das Essen ist so weich, dass du nicht mal mehr Kauen musst, schnell runter damit! Wer sich Kleidung bei Primark kauft, dem ist nicht wichtig, dass der Einkauf noch nicht mal einen Waschgang überstehen wird – billige Wegwerfmode eben! Einwegklamotten. Und genau das Mindset steht hinter Fast Fitness. Klingt hart? Ok ok, fangen wir ganz locker mit den Vorteilen an.

Fast Fitness – das sind die Vorteile

1. Du hast mehr Abwechslung als je zuvor

Der Trend kommt aus Amerika und es ist vorerst ein Großstadt Phänomen: Du musst dich nicht mehr für ein Gym, ein Yogastudio oder eine Tanzschule entscheiden – du bekommst für einen Preis die Möglichkeit (fast) alle zu nutzen. Es ist wie bei Amazon. Das Riesen-Angebot zwingt dich geradezu so viel wie möglich zu testen: Heute Poledance, morgen Areal Yoga, übermorgen Crossfit. Fitness-Class-Hopping sozusagen. Ähnlich wie wenn du einen All Inklusive Urlaub gebucht hast – am Buffet wird sich so richtig der Bauch vollgeschlagen. Ist ja alles bezahlt!

2. Du musst dich nicht mehr festlegen

Ein Jahresvertrag im Ballett Studio? Jede Woche in denselben Kurs? Regelmäßig? 2020 für die meisten undenkbar, Flexibilität muss sein. Keiner will etwas verpassen. Die ganzen anderen Angebote würden dir ja sonst entgehen! Und was dann in der Insta Story posten? Jede Woche Ballett? Langweilig. Wer im Trend sein will legt sich nicht fest. Um es mit dem Tinder Slogan zu sagen #fitness-single-not-sorry“. Fast Fitness bedeutet jeden Tag woanders trainieren, keine feste Bindung mehr.

3. Die Qualität der Angebote steigt

Das ist, wie ich finde, der einzige echte Vorteil: Kleine Studios und Fitness Anbieter haben durch die Flut an Fast Fitness Nomaden viel mehr neue Leute im Club und so die Chance mit Qualität aus herum eiernden Suchenden, glückliche Kunden zu machen. Das Fitness-Tinder-Date quasi zu heiraten. Zugegeben… Es wird anspruchsvoller Mitglieder zu binden, aber das sehe ich als Vorteil. Der Wettbewerb ist hart aber fair. Das ist völlig ok. Keiner braucht ein schlechtes Fitness Angebot. 

Und das ist die Kehrseite der Fast Fitness Medaille

1. Du hast alles getestet – kannst aber nichts wirklich

Fang jede Woche an ein neues Musik-Instrument zu lernen: Heute Saxophon, morgen Violine, übermorgen Schlagzeug – das wollest du schon immer mal ausprobieren. Vielleicht hast du ein paar cooles Selfies, aber: Wirst du je ein ganzes Stück spielen können? Nein. Dafür müsstest du ein Instrument üben, jeden Tag, jahrelang. Ich kann aus meiner Erfahrung sagen: Ich hab 8 Jahre lang Klavier geübt, einfach weil in meiner Kindheit ein altes Klavier das einzige verfügbare Instrument war. Am Ende die Möglichkeit zu haben jedes Stück zu spielen was dir gefällt, und zwar genauso wie du es fühlst und interpretierst ist der absolute Hammer. Schade für jeden, der an diesem Ziel nie ankommt, weil er jede Woche in eine komplett andere Richtung rennt.

2. Immer auf Achse heißt nirgends zu Hause sein

Fast Fitness macht einsam. Du wirst als Fast Fitness Nomade nie Teil einer Community sein. Face it. Du bist auf der Durchreise… in einem Gasthaus sind alle höflich, mehr aber auch nicht. Wozu dich kennenlernen oder sich deinen Namen merken? Macht keiner. Und was kann dir ein Trainer in einer einzelnen Stunde beibringen? Wenn überhaupt kann er dir Basis Instruktionen mitgeben, die deine Sicherheit gewährleisten. Null personalisierte Anweisungen, die jeder fremde Neuling bekommt. Je höher der Prozentsatz der Fitness Nomaden in einem Kurs desto weniger Teamgefühl, Connections zwischen den Teilnehmern und Community.

3. Wohin geht dein Geld? Du zahlst an einen Zwischenhändler

In anderen Ländern und auch in anderen Branchen funktioniert das System schon so. Die Anbieter, denen du dein Geld überweist haben Deals mit den Studios… erstmal sehr verlockende Angebote. Ist das Studio dann irgendwann abhängig, weil es mehr Fitness Nomaden als eigene Kunden hat oder sogar gar keine eigenen Kunden mehr, diktiert der andere den Preis. Mit den neuen Konditionen lassen sie dann die Studios ausbluten, um sie (wenn komplett pleite) superbillig zu übernehmen und selbst zu betreiben. Wie hinter Fast Food oder Fast Fashion gibt es immer Verlierer und Leute die richtig abkassieren in diesem Spiel. 

Die Alternative? Back to the roots – hau die Bremse rein!

Letztendlich sind das alles, Fast Food, Fast Fashion, Fast Fitness nur Beispiele und sie stehen stellvertretend für 1000 andere Bereiche. Das Mindset dahinter ist bei allen gleich und wird unsere Welt nicht besser machen. Diese gierige Jagd nach Abwechslung macht uns doch nicht glücklicher. Und in diesem Hamsterrad wie irre weiter zu rennen bringt dich definitiv nirgendwo hin. Und vor allem im Sport nicht! Diese Art von Unverbindlichkeit ist nicht cool, sondern feige und bequem. Sich nicht Festlegen, heißt immer auch keine Verantwortung zu übernehmen. In Zeiten des Klimawandels ist das dann das Mindset das uns retten wird? Wie wäre es stattdessen mal mit Mut sich festzulegen? Zu den eigenen Entscheidungen zu stehen. In guten wie in schlechten Zeiten. Sich zu committen und dann mit Fleiß zu üben… regelmäßig und konzentriert. So funktioniert Training. Egal, welches Trainingsziel du erreichen willst. Warum ist das so out geworden? Und was ist mit Geduld. Damit, mal an einer Sache dranzubleiben? Haben wir es so eilig? Espresso to go mit Plastikdeckel? Ist das unser Ernst? Hier mal drei Vorschläge zum Ausprobieren:

1. Food: Nur Kalorien essen, die es wert sind… Lebensmittel mit wenig Verpackung aber viel Qualität, die nicht mit Profitgier, sondern mit Liebe gemacht sind. 

2. Fashion: Finde einen eigenen Klamotten-Style, abseits jedes Modetrends und trag Kleidung, die dir wirklich richtig gefällt und dir was bedeutet, jahrelang.

3. Fitness: Finde den Sport, der dich glücklich macht, deine Art zu trainieren und dann bleib dran. Du wirst nie ein Motivationsproblem bekommen und immer Teil einer Community mit Gleichgesinnten sein.

Das hier ist meine persönliche Meinung als Trainerin. Jeder hat die Wahl, selbst zu entscheiden. Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg beim Training.

Sportliche Grüße

Caro

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

This website uses cookies. By continuing to use this site, you accept our use of cookies.